Rechnen und zu einer anderen Basis konvertieren auf der Linux Konsole

Ich finde gerade heraus, welche tollen Sachen man mit dem Linux Konsolenprogramm “bc” anstellen kann. “bc” ist ein Rechenprogramm und man kann natürlich damit rechnen:

$ echo "16 * 35" | bc
560

Oder Rechnen mit Kommazahlen:

$ echo "scale=3; 16.5 / 35" | bc
.471

Interessant ist, dass man mit “bc” auch zwischen unterschiedlichen Zahlenformaten (wie dezimal, binär und hexadezimal) konvertieren kann.

$ echo "obase=16; 752" | bc
2F0
$ echo "ibase=16; 2F0" | bc
752
$ echo "ibase=16;obase=2; 2F0" | bc
1011110000

Hexadezimalzahlen müssen in “bc” immer in Großbuchstaben angegeben werden!

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Datum/Unix timestamp konvertierung in der Linux Console

Man braucht nicht extra eine Webseite suchen mit einem Online Datum/Unix timestamp Konverter. Wiedermal geht alles ganz einfach in der Linux Konsole.
(Unix timestamp sind die Sekunden seit 1. Januar 1970 00:00 Uhr UTC.)

Konvertierung Unix timestamp zu Datum:

date -d @1335254987

(1335254987 ist der zu konvertierende timestamp)

Konvertierung Datum zu Unix timestamp:

date +%s -d "2012-04-24 10:09:47"
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Screen

Als Gedächtnisstütze für mich, ein paar wichtige screen Befehle:

starten mit:

screen

Danach kann der ausgangsterminal nicht mehr benutzt werden.

Strg-a c   Einen neuen screen erzeugen (kann mit exit verlassen werden).
Strg-a K   Einen Screen beenden (killen)
Strg-a p   Zum vorherigen Screen wechseln
Strg-a n   Zum nächsten Screen wechseln
Strg-a A   Einem Screen einen Namen geben
Strg-a "   Liste aller screens (doppelte Anführungsstrichte)
Strg-a [   Copy und buffer mode starten. Mit Pfeiltasten zur gewünsten position.
           Mit Return markierung starten. Mit Pfeiltasten zum ende der Markierung.
           Mit Return Inhalt in den Puffer.
Strg-a ]   Buffer einfügen

Strg-a d   Den Screen ablösen (er läuft im Hintergrund weiter)

Eine vorhandene Screen session wieder aufnehmen:

screen -r

Wenn der screen detached ist, kann man den Terminal schließen, er läuft im Hintergrund weiter. Nach dem reattachen kann man wieder einsteigen.

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Sammler – Vorwort

Diese Geschichte habe ich ende 2010 für meine Süße als Adventskalender geschrieben. Jeden Tag, vom 1.12.2010 bis zum 24.12.2010 hat sie ein neues Kapitel von der Geschichte  bekommen.

Die (meisten) Personen in der Geschichte gibt es wirklich, insbesondere Cordula und ich mitsamt unseren Verwandten. Ich habe versucht die Charaktereigenschaften der (real existierenden) Personen in die Geschichte mit einfließen zu lassen und sie zu überzeichnen, daher ist manches auch nur dann lustig, wenn man die Person auch kennt.

Cordi hat mir freundlicherweise gestattet ihre Geschichte hier zu veröffentlichen.

Viel Spaß beim Lesen
Frank Olschewski

5. September 2109: Prolog 1

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IDv3 Tags anzeigen auf der Linux Konsole

Im Paket “libid3-tools” befindet sich das Konsolenprogramm “id3info”, das genau das tut.

$ id3info 10\ -\ Ich\ dachte\ schon.mp3

*** Tag information for 10 - Ich dachte schon.mp3
=== TALB (Album/Movie/Show title): Und endlich unendlich
=== TPE1 (Lead performer(s)/Soloist(s)): Selig
=== TCON (Content type): Rock
=== TIT2 (Title/songname/content description): Ich dachte schon
=== TRCK (Track number/Position in set): 10/20
=== TYER (Year): 2009
=== TSOA ():  frame
=== APIC (Attached picture): ()[, 3]: image/jpg, 63676 bytes
=== MCDI (Music CD identifier):  (unimplemented)
*** mp3 info
MPEG1/layer III
Bitrate: 128KBps
Frequency: 44KHz

Hmm, leider nicht perfekt, das Programm kennt wohl nicht das Feld “TSOA” (Album Sort) und die angezeigte Bitrate stimmt auch nicht.

Eine bessere Möglichkeit ist das Programm “ffmpeg”:

$ ffmpeg -i 10\ -\ Ich\ dachte\ schon.mp3
Input #0, mp3, from '10 - Ich dachte schon.mp3':
  Metadata:
    album           : Und endlich unendlich
    artist          : Selig
    genre           : Rock
    title           : Ich dachte schon
    track           : 10/20
    album-sort      : 2009 - Und endlich unendlich
    date            : 2009
  Duration: 00:06:30.13, start: 0.000000, bitrate: 180 kb/s
    Stream #0.0: Audio: mp3, 44100 Hz, stereo, s16, 178 kb/s

Das sieht doch viel besser aus, zusätzlich wird auch noch die korrekte Bitrate der Kodierung angezeigt.

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Batch Kodierung mit Lame MP3

Eine Audio-Datei kann ich mit Lame MP3 auf der Linux Konsole mit einem einfachen Befehl in guter Qualität kodieren:

lame --alt-preset standard input.wav output.mp3

Wenn man ich allerdings 35 Dateien konvertieren will, dann ist es schon etwas aufwändig diesen Aufruf für jede Datei einzugeben. Wildcards gibt es bei lame leider nicht. Also musste ich mir etwas anderes überlegen.

Der Linux Befehl “find” wäre eine Möglichkeit, denn er kennt den Parameter “exec”:

find -regextype posix-extended -regex ".*\.wav" -exec lame --alt-preset standard {} encoded/{} \;

Mit diesem Befehl kann ich alle dateien, die auf “.wav” enden mit lame kodieren und in den Unterordner “encoded” ablegen.

Perfekt? Leider nicht!
“find” findet leider manche Dateien mit Windows Sonderzeichen nicht. Diese Dateien müssten entweder vorher umbenannt werden, oder ich suche nach einer anderen Möglichkeit.

“ls” liefert mir eine Auflistung aller Dateien, einschließlich der Windows Dateien mit Sonderzeichen. Mit “grep” suche ich die “.wav” Dateien aus dem Ergebnis:

ls | grep -E "\.wav$"

Leider hat “grep” keinen “exec” Parameter wie “find” und das Ergebnis von “grep” kann auch nicht an “find” übergeben werden.

Weitere Recherchen führen zu “awk”. Das Programm kann Eingaben aus stdin verarbeiten und Befehle aus jeder eingabezeile bauen und so die lame Kodierung starten.

ls | grep -E "\.wav$" | awk '{ print ("lame --alt-preset standard \"" $0 "\" \"encoded/" $0 "\"") | "/bin/bash" }'
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WorPress Spamflut

Die erste Nacht nach meiner neuen WordPress Installation ließ mich etwas an meiner entscheidung zweifeln die richtige Blog-Software gewählt zu haben.

Am Morgen waren 80 Spam Kommentare aufgelaufen.

Nach einer kurzen Recherche fand ich heraus, dass es fertige anti-Spam Plugins für WordPress gibt. (Mit Captchas wollte ich niemanden quälen.) Der Nachteit dieser Plugins ist allerdings, dass sie andere Server kontaktieren müssen für ihre Entscheidung, ob ein Kommentar Spam ist oder nicht.

Was lag also näher als sich an einem eigenen Spam-Schutz zu versuchen? Schließlich bin ich PHP-Programmierer!

Bot versendet POST

Bot versendet POST

Die Erste Maßnahme sollte sein, die dümmsten Bots auszuschließen. Dazu muss das Kommentar-Formular so prepariert werden, dass ein Kommentar nur dann eingestellt werden kann, wenn es erwiesenermaßen mit diesem Formular verschickt wurde. Dazu wird eine Session in WordPress eingebaut und beim Laden des Formulars ein Zufallswert in die Session und in das Formular geschrieben. Wenn der Kommentar gespeichert werden soll, wird der Wert aus dem verschickten Formular mit dem Wert in der Session verglichen.

Das war schon etwas aufwändig zu programmieren, hatte aber kaum den erwünschten Erfolg. Der Posteingang klingelte noch immer alle halbe Stunde. Scheinbar sind die Bots nicht so simpel gestrickt, sie schicken nicht ein eigenes POST an das verarbeitende Script, sondern rufen zuerst das Formular auf und verschicken die dort vorhandenen input-Felder.

Die nächste Idee ist ebenso naheliegend: Die Zeit zwischen Laden und Verschicken des Formulars messen, in der Annahme, dass ein normaler User ein Formular nicht innerhalb von 5 Sekunden nach dem Aufrufen verschickt (er muss ja noch den Kommentar tippen).

Dazu wird in der Session der Zeitpunkt des Ladens gespeichert und vor den Speichern des Kommentars überprüft, wie viel Zeit in der Zwischenzeit verstrichen ist. Ich habe das Ganze noch optimiert, indem ich den “Abschicken”-Button mit einem 10 Sekunden JavaScript Timer versehen habe, bevor er benutzt werden kann. Dadurch konnte ich eine Zeit von mindestens 10 Sekunden zwischen Aufruf und Verschicken des Formulars annehmen.

Diese Aktion hat fast sämtlichen Spam herausgefilert. Allerdings kam noch etwa jede Stunde ein Spam-Kommentar.

Um auch diesen zu entfernen gab es nur noch eine Möglichkeit: Ein Inhaltefilter. Wenn man sich die Spam-Kommentare anschaut, bemerkt man schnell, was der Spammer will: Einen Link zu seiner Seite unterbringen. Ein Filter, der Kommentare verbietet, die die Zeichenkette “http://” enthalten entfernt zuverlässig den Rest. Seit dieser Änderung ist kein Spam-Kommentar mehr bei mir angekommen.

Nun könnte man sich die Frage stellen, ob die ganzen anderen Aktionen dadurch überflüssig sind. Ja, das sind sie. Ich konnte alles außer den Inhaltefilter entfernen und hatte ruhe vor den Spammern.

Damit die User etwas mehr Komfort haben, habe ich vor dem Abschicken des Formulars noch eine Prüfung mit JavaScript eingebaut, damit er frühzeitig darüber informiert wird, dass er “http://” nicht verwenden darf.

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Sammler – 24. Dezember 2109: Epilog

Es klingelte an der Tür.
Cordula entfuhr ein überraschter Ausschrei, als sie sah, wer vor ihr stand. „Hallo, Armin.“ Stieß sie voller Freude aus und fiel ihrem Stiefvater in den Arm. „Wir haben uns solche Sorgen gemacht, wo bist du gewesen?“
„Wieso? Ich habe mich etwas aus der Schusslinie gebracht.“ Erzählte er, als wäre nichts vorgefallen.
„‘Aus der Schusslinie gebracht.‘ Warum hast du nicht auf unsere Nachrichten geantwortet? Wo warst du überhaupt?“
Armin wischte sich übers Gesicht. „Die Sammler-Kirche hat mitbekommen, dass ich weiterhin Ermittlungen anstelle. Als ich nach dem Treffen mit Frank nach Hause kam, sah ich, wie sie meine Wohnung durchsucht haben. Da bin ich bei einem guten Freund untergetaucht. Aber ich habe eure Nachrichten abgehört, ihr habt ja scheinbar einiges Erreicht.
„Das kannst du wohl sagen. Komm erst mal rein. Die anderen sind schon alle da.“ Cordula zog ihren Stiefvater in die Wohnung.
Sie waren mitten in der Nacht wieder in Hamburg angekommen. Aber schließlich war Heiligabend, also haben sie noch am Morgen einen Tannenbau gekauft und ins Wohnzimmer gestellt. Zwei Kuchen waren schnell gebacken, nur für Geschenke hat die Zeit nicht mehr ausgereicht. Aber trotzdem ist die ganze Verwandtschaft am Nachmittag zum Kuchenessen gekommen. Ole sammelte gerade mit Lena Weihnachtsbaumschmuck zusammen und schmiss es über den Baum. Sogar Lukas hat sich aus seiner Wohnung heraus bewegt und saß neben ihnen auf dem Sofa und beteiligte sich an der Auswahl der richtigen Schmuckzusammenstellung. Heidrun saß am Tisch und diskutierte mit Renate über die möglichen politischen Auswirkungen, wenn die Sammler-Kirche zusammenbrechen sollte. Angela und Constanze überlegten noch, wie sie sich an der Unterhaltung beteiligen sollten. Ihre Kinder waren nicht gekommen, sie hatten inzwischen eigene Familien. Marion hatte ihren neuen Freund dabei, sie redeten gerade mit Lars über Filme.
Frank trat von hinten an Cordula heran, legte ihr die Arme um den Bauch und sein Kinn auf ihre Schulter. „Hallo, Armin.“
„Hallo Frank. Seid ihr wieder zusammen?“.
Frank und Cordula schauten sich an.
Als Armin merkte, dass er keine Antwort bekam, ging er ins Wohnzimmer und begrüßte die Anderen.
„Sind wir wieder zusammen?“ Fragte Frank.
„Ich weiß es nicht. Sind wir wieder zusammen?“ Gab Cordula die Frage an Frank zurück.
Frank drückte Cordula an sich. „Du weißt, dass ich dich immer geliebt habe, auch als wir uns kaum gesehen haben die letzten Jahre. Ich hatte nie eine andere Frau.“ Er lächelte verlegen. „So wie wir es uns versprochen hatten.“ Er griff in seine Hosentasche und holte den Ring heraus.
Cordula ging zu einer Kommode im Flur und holte ihren Ring aus einer Schublade.
Frank nahm ihr den Ring aus der Hand und steckte ihn an ihren Finger. „Für die nächsten hundert Jahre?“
Cordula lächelte. „Ja, für die nächsten hundert Jahre.“ Sie steckte Frank seinen Ring an den Finger. Danach küsste sie sich leidenschaftlich.
„Cordi, du weißt, dass wir jetzt wieder die gleichen Probleme haben werden, wie vor hundert Jahren?“
„Was meinst du?“
„Naja, mein Job im Forschungszentrum in der Sahara ist weg. Ich bin wieder arbeitslos. Wer weiß, ob es die Sammler-Kirche bald überhaupt noch geben wird. Auch dein Kindergarten wurde ja von der Kirche finanziert, ich glaube nicht, dass die Stadt das einfach so weiter bezahlen wird. Wahrscheinlich sind wir bald beide arbeitslos und die Anti-Aging Behandlungen werden die sicherlich nicht billiger machen.“
Cordula drückte Frank an sich. „Sei nicht immer so negativ. Das wird schon alles seine Gründe haben, weshalb das so gekommen ist. Wir suchen dann einfach einen neuen Job in Hamburg.“
„Na hoffentlich hast du Recht.“ Frank küsste sie auf die Wange. Dann gingen sie zusammen ins Wohnzimmer.
Lena hing gerade Glitzerketten an den Tannenbaum.
Frank wies auf das Mädchen. „Jetzt haben wir doch noch unsere Tochter.“
„Ja, das stimmt.“ Lachte Cordula.
„Der Tannenbaum glitzert ja wie verrückt.“
„Ja, komisch. Ich wusste gar nicht, dass ich solchen Tannenbaumschmuck hatte.“ Wunderte sich Cordula.
Sie gingen gemeinsam zum Tannenbaum. Lena steckte weiter Ketten mit glitzernden Steinen und Ringe an die Äste.
„Was ist denn das überhaupt?“ Frank zog einen Ring vom Tannenbaum. „Ist das nicht der Schmuck, den die Mutter von Larissa Lorik getragen hatte?“
Cordula betrachtete den Ring. „Tatsächlich. Der sieht genauso aus.“ Sie schaute sich den großen glitzernden Stein genauer an. „Das ist ohne Zweifel ein echter Diamant.“
„Ob Lena ihr den gestohlen hat?“ Vermutete Frank. „Nein, warte mal.“ Frank zog einen weiteren Ring vom Tannenbaum. „Hey, der sieht ja genauso aus.“
„Ja tatsächlich. Und hier, das ist die Kette von der Frau. Da vorne noch eine.“

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Sammler – 23. Dezember 2109

Am Morgen wurden sie von drei Wachleuten mit vorgehaltenen Waffen aus der Arrestzelle geholt. Außer Ole hatte keiner schlafen können, es waren keine Betten in der Zelle, nur harte Metallbänke an den Seiten.
Die Wachmänner brachten Cordula, Frank, Ole und Lars in ein Büro mit verschlossenen Metalljalousien außen an den Fenstern.
Mit einem „Ihr wartet hier, das Oberhaupt will mit euch reden“, verabschiedeten sie die Wachen und versperrten das Büro.
Frank ließ sich auf einen gepolsterten Stuhl am runden Konferenztisch plumpsen. „Na, dann können wir uns ja schon mal von unseren Gehirnzellen verabschieden.“ Er stieß ein trockenes Lachen aus.
„Ach, halt deine verdammte Fresse!“ Pöbelte Lars.
Cordula ging zu ihm und legte ihm ihre Hände von hinten auf die Schultern. „Ist gut, Lars. Wir haben alle Angst.“
Lars vergrub sein Gesicht in den Händen.
„Vielleicht können wir…“ Weiter kam Ole nicht, denn die Alarmsirene begann wieder zu heulen.
Er rannte zu den Fenstern. „Was ist denn nun schon wieder?“ Ole versuchte vergeblich durch die Schlitze der Jalousien zu schauen. „Ich kann nichts sehen.“
Ein Heller Lichtschein fiel durch die Schlitze der Jalousien und malte für eine Sekunde Streifen an die Wände. Danach erklang ein tiefes Donnern, das die Fensterscheiben vibrieren ließ.
„Was zur Hölle…“, entfuhr es Ole.
Lärm erklang aus dem Treppenhaus und Menschen schrien. Oben explodierte etwas im Gebäude, was das Forschungszentrum in seinen Grundfesten erschüttern ließ. Schutt rieselte gegen die Metalljalousie.
„Wir müssen hier raus!“ Schrie Frank, fasste Cordula am Arm und zog sie Richtung Bürotür.
„Warte!“, schrie Cordula und zeigte auf den Ausgang.
Die Tür dehnte sich wie eine Gummiblase nach innen in das Büro. Dann Platzte sie auf und riss dabei die halbe Wand mit sich. Splitter und Steine flogen in das Büro.
Frank stieß Cordula um und warf sich schützend auf sie.
Ole und Lars kauerten sich zusammen und legten sich schützend die Arme vors Gesicht. Sie wurden umgerissen und blieben halb von Trümmern verdeckt liegen.
Als Frank aufsah, taumelte eine Gestalt in einem schwarzen Umhang mit aufgesetzter Kapuze in das Büro. Sie stürzte, fiel auf ein Knie und stützte sich mit der Hand dicht neben Cordula und Frank auf.
Aus der absoluten Dunkelheit unter der Kapuze erklang ein hohles schluchzen. „Warum erkennt er mich nicht?“ Die Gestalt schien keine Notiz von den vier Menschen um sich herum zu nehmen und ließ traurig den Kopf sinken.
Bevor sich Frank versah, war Cordula zu der Gestalt getreten und legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Das wird schon wieder werden.“
Die dunkle Gestalt fuhr hoch und richtete ihre rechte Hand gegen Cordula, die Luft begann zu flimmern.
Frank stellte sich schützend vor sie. „Nein!“, schrie er.
Die Gestalt hielt inne. „Willst du sterben um deine Frau zu beschützen?“ Klang es traurig und hohl aus der Kapuze.
„Ja, wenn es sein muss, werde ich das.“ Frank drehte sich zu der Gestalt um und streckte schützend die Arme seitlich aus.
„Ach. Das hat doch alles keinen Sinn mehr.“ Die dunkle Gestalt wandte sich ab.
„Was hat keinen Sinn mehr?“ Fragte Cordula und drängelte sich an Frank vorbei, der vergebens versuchte sie aufzuhalten.
Die Gestalt wandte den Kopf Cordula zu. „Das wirst du nicht verstehen, du bist doch nur ein Mensch.“
„Was soll das heißen ‚nur ein Mensch‘?“, entgegnete die Angesprochene.
Während der Konversation hatten sich Ole und Lars bewegt, sie schoben die Trümmer von sich und humpelten gerade auf die Anderen zu, als die Gestalt die Hände hob und ihre Kapuze zurück schob.
„Verfluchte Scheiße!“ Entfuhr es Lars. „Was bist du?“
Unter der Kapuze kam ein Kopf zum Vorschein, der nur grob Ähnlichkeit mit einem Menschen hatte. Es besaß keine Haare und keine Ohren. Die Nase war nur eine angedeutet Erhöhung und statt Augen hatte es nur eine leichte Vertiefung. Jegliche Körperöffnungen an Ohren, Nase und der Mund fehlte. Die Oberfläche der Haut war von einer absoluten schwärze und eine wellenartige Bewegung lief über das Gesicht, das sich jetzt zu Lars wendete. „Ich komme nicht von hier.“
„Ach was. Das hätte ich jetzt nicht gedacht.“ Wandte Ole spöttisch ein.
„Ist jetzt gut.“ Sagte Cordula zu Ole und machte einen Schritt auf die Gestalt zu.
Diese legte eine Hand an den Kopf, als hätte sie fürchterliche Kopfschmerzen. Dort wo die Finger den Kopf berührten verschmolzen sie miteinander. „Ich bin ein Außerirdischer, wie ihr es sagen würdet.“ Die Stimme erklang, ohne, dass sich ein Mund bewegte.
„Ach, das ist doch nur ein verfickter Trick, nimm deine Maske ab und zeig uns dein hässliches Gesicht.“ Forderte Lars die Gestalt auf.
Die Gestalt wandte sich wieder Lars zu. „Du glaubst mir also nicht?“
Der Angesprochene gab ein angewidertes schnauben von sich.
„Sieh her.“ Sagte die Gestalt. „Wir stehen in der Entwicklung weit über euch.“ Mit diesen Worten hob es einen zerbrochenen und verbogenen Stuhl vom Boden auf. „Wir sind Energie und Materie und wir können Energie und Materie manipulieren, wie wir es wollen.“ Der Stuhl in der Hand der schwarzen Gestalt bewegte sich, verbogene Rohre glätteten sich von alleine, zerbrochene Holzstangen begradigten und verlängerten sich. Nach einem Augenblick hatte die Gestalt einen völlig heilen Stuhl in der Hand. Aber es blieb nicht so, der Stuhl floss zusammen, als wenn er aus einer öligen Flüssigkeit bestand, es bildete sich eine achtzig Zentimeter große menschenähnliche Figur aus, sie bekam Flügel und wurde durchsichtig wie Glas. Neben der Gestalt stand jetzt ein kleiner gläserner Engel mit ausgebreiteten Schwingen.
„Ok, das war jetzt echt krass!“ Gab Lars zu.
Die Gestalt schaute Cordula und Frank an. Soweit man bei diesem Gesicht von ‚Schauen‘ reden kann. „Ihr werdet das vielleicht verstehen. Auch ich habe eine Liebe, einen Gefährten. Hier bei euch auf der Erde. Es ist der, den ihr als das Oberhaupt und Gründer eurer Sammler-Kirche kennt. Unsere Rasse würde sich in eurer Sprache ‚die Sammler‘ nennen.“
„Das ist doch nicht zu fassen. Außerirdische hier auf der Erde. Was wollt ihr hier?“ Fragte Frank überwältigt von den Informationen.
„Das ist nicht von Relevanz.“ Wiegelte der Sammler ab. „Ich bin gekommen um wieder mit meiner Liebe zusammen zu sein, aber jetzt erkennt er mich nicht.“ Er griff sich wieder mit der Hand an den Kopf. „Es schmerzt so.“
„Meinst du er hat dich verlassen?“ Fragte Cordula.
„Nein!“ Entfuhr es dem Sammler und er hob wütend die Hand. Überlegte es sich dann aber doch anders und fuhr ruhig fort. „Ich wusste es doch ihr versteht es nicht.“ Er drehte sich um und wollte gehen.
Cordula hielt ihn am Arm fest.
Bei der Berührung zuckte er leicht zusammen und blieb stehen.
„Versuche es uns bitte zu erklären. Vielleicht können wir dir helfen.“ Cordula lächelte freundlich in das fast nicht vorhandene Gesicht.
„Mein Gefährte hat sich dort oben im Gebäude verschanzt und schleudert Feuerbälle nach mir. Er erkennt mich nicht, weil er wahrscheinlich seine Erinnerungen an mich abgelegt hat.“ Erklärte der Sammler.
„Ihr könnt Erinnerungen ablegen?“ Fragte Ole überrascht.
„Ja, das können wir.“ Antwortete der Sammler in einem Ton, als spräche er zu minderbemittelten Kindern. „Ich sagte doch, wir haben Macht über Energie und Materie. Wenn ich mir jetzt überlegte mich in einen Spatzen zu verwandeln und frei durch die Luft zu fliegen, dann währe ich viel zu schwer, wenn ich alle meine Erinnerungen mit mir nehmen würde. Dort wo wir leben ziehen die Ältesten von uns kilometerlange Fahnen aus Materie hinter sich her, die voll sind mit Erinnerungen von Millionen Jahre langen Lebens. Also würde ich meine Erinnerungen hier lassen und fliege nur mit meiner Basispersönlichkeit in diesem Spatzen. Wenn ich zurück bin nehme ich dann meine Erinnerungen wieder an mich.“ Der Sammler sammelte sich kurz. „Er hat die Erinnerungen an mich entfernt. Vielleicht war der Schmerz zu groß. Das kann ich sogar verstehen. Allerdings glaube ich nicht, dass er die Erinnerungen einfach gelöscht hat. Ich bin mir sicher, er bewahrt sie irgendwo an einen sicheren Ort auf. Für die Zeit, wenn wir uns wiedergesehen hätten.“
„Wie ihr seht“, resümierte der Sammler nach einer kurzen Pause, „ihr könnt mir nicht helfen.“
Er wollte erneut gehen, als Frank ihn aufhielt. „Doch, das können wir!“
„Wie meinst du das?“ Fragte die Gestalt im schwarzen Umhang überrascht. „Wie sollt ihr mir helfen können?“
„Ich weiß wo er seine Erinnerungen aufbewahrt.“ Stellte Frank fest.
Vor Überraschung und Aufregung schien sich die Wellenbewegung auf der Gesichtshaut des Sammlers beschleunigt zu haben. „Wo sind die Erinnerungen, sag es mir!“ Er machte einen Schritt auf Frank zu.
„Folg mir einfach.“ Frank stieg über die Überreste der Wand und lief Richtung Treppenhaus. Dicht hinter ihm folgte der Sammler, danach liefen Cordula, Ole und Lars.
Kurz vor dem Eingang zum Treppenhaus sprang ein Wachmann aus einer Tür und stellte sich ihnen mit erhobener Waffen in den Weg und rief: „Halt!“
Frank blieb stolpernd stehen, der Sammler jedoch lief weiter auf die Mündung der Waffe zu. Ein Schuss fiel, der ohne Wirkung bleib, da die Kugel einfach vom Körper des Sammlers aufgesogen wurde. Dann prallte der Sammler auf den Wachmann, der augenblicklich zusammenbrach. Sein Nacken war zur Seite abgeknickt und Blut lief ihm aus Augen und Nase.
Der Sammler ging davon ungerührt weiter Richtung Treppenhaus.
„Warte!“ Rief ihm Cordula zu. Sie schaute traurig auf den toten Wachmann. „Das war ein menschliches Leben. Du kannst nicht so einfach Menschen töten!“
„Warum nicht?“ Fragte der Sammler in gelangweiltem Tonfall. „Ihr seid so viele. Er bedeutet nichts.“
„Doch das tut er!“ Cordula stampfte wütend mit dem Fuß auf. Tränen liefen über ihre Wange.
Frank wollte sie in den Arm nehmen, aber sie stieß ihn weg.
„Du bist ein Monster, wieso sollten wir dir helfen?“ Schrie Cordula.
Langsam drehte sich der Sammler zu dem toten Wachmann um und ging zu ihm.
„Was machst du?“ Fragte Frank.
Der Sammler antwortete nicht, sondern legte dem Wachmann seine Hand auf dem Kopf und blieb einen Moment still stehen. Die Leiche zuckte leicht und er richtete den Kopf gerade auf. Dann hob sich die Brust des Wachmanns ruckartig und man hörte ihn danach regelmäßig weiter atmen.
Der Sammler ließ wieder von dem Wachmann ab und ging Richtung Treppe.
„Was hast du gemacht?“ Fragte Frank nochmal.
„Ihr seid so einfach zu reparieren.“ Erwiderte der Sammler.
„Wird er wieder in Ordnung kommen?“ Fragte Cordula hoffnungsvoll.
„Ja, wird er.“ Der Sammler ging genervt zur Treppe. „Nun lass uns weiter.“
Sie rannten die Treppe runter und gelangten zum Tresorraum.
Frank deutete auf den Tresor, der mit Ausnahme des oberen Türscharniers unversehrt da stand. Von den beiden Wachen war nichts zu sehen.
Der Sammler ging darauf zu und die Tür zerschmolz wie Schnee im Sommer, als er die Hand darauf legte.
„Na toll.“ Sagte Ole und wechselte einen vielsagenden Blick mit Lars.
Im Tresor lag ein schwarzer Würfel mit fünfzehn Zentimeter Seitenlänge und einer makellos glatten Oberfläche. Der Sammler legte seine Hand auf den Würfel und stand einige Sekunden regungslos da.
„Und, ist es das, was du gesucht hast?“ Fragte Frank erwartungsvoll.
Der Sammler sackte auf die Knie, von seinen Gefühlen überwältigt. „Ja, das sind sie.“
Er stand auf und hielt den Würfel ehrfurchtsvoll in beiden Händen vor dem Bauch. „Bleibt hier. Ich muss meinem Gefährten seine Erinnerungen wieder geben, notfalls gegen seinen Willen. Es könnte gefährlich für euch werden.“
Er schritt zur Tür des Tresorraums, blieb aber kurz davor stehen und drehte sich noch einmal um. „Ihr seid zwar nur Menschen, aber ich bin euch zu Dank verpflichtet.“ Dann lief er davon.
Kurz darauf begannen erneut die Detonationen und das Gebäude schüttelte sich wie bei einem Erdbeben. Die Explosionen wurden immer lauter und ereigneten sich in immer kürzeren Abständen, bis sie dann ganz plötzlich verstummten.
Die Stille war beängstigend, Putz bröckelte von der Decke.
„Was sollen wir machen?“ Fragte Ole eingeschüchtert. „Meint ihr dieser Außerirdische hat es geschafft?“
„Lass uns nachschauen.“ Sagte Frank und nahm Cordula bei der Hand.
Die oberste Etage des Gebäudes fehlte komplett, nur Stümpfe ragten wenig an den Stellen empor, wo die Wände gewesen waren. Inmitten dieser Zerstörung standen zwei gestalten eng umschlungen. Bei der einen handelte es sich um den Sammler, den sie bereits kannten, die andere Gestalt sah aus wie ein ganz normaler Mensch. Das Oberhaupt der Sammler-Kirche.
Als sie sich den Gestalten näherten sahen sie, dass sie umeinander waberten wie Quecksilber und teilweise miteinander verschmolzen. Der Kirchen-Sammler drehte den Kopf zu den Neuankömmlingen. Sein Gesicht war entstellt vor Trauer und Scham. Tränen liefen ihm über die Wange.
„Es tut mir so leid“, sagte er mit brechender Stimme. „Was ich euch Menschen angetan habe. Ich war so verblendet von meiner Aufgabe. Könnt ihr mir vergeben?“
„Sie wissen es nicht.“ Unterbrach ihn der andere Sammler. „Ich habe alle Beweise in Hamburg vernichtet.“
„Oh.“ Er dachte wohl nach, was er verloren und was er gewonnen hatte. „Das ist wohl auch besser so.“ Der Kirchen-Sammler drückte seinen Gefährten dichter an sich. „Als ich hier in der Sahara gelandet bin, war ich so verzweifelt und traurig über unsere Trennung, dass ich es nicht aushalten konnte. Ich riss die Erinnerungen aus meiner Seele, damit sie mir keine Schmerzen mehr bereiten konnten. Danach lebte ich nur noch für meine Aufgabe. Ich habe so viele Leben vernichtet, bis ich verstanden habe, wie die Menschen leben. Es hat mir nichts ausgemacht. Dann manipulierte ich die Gedanken der Wissenschaftler, die die Einschlagsstelle untersuchten und machte aus ihnen meine ersten Anhänger. Ich gründete die Sammler-Kirche.“
„Ich dachte“, warf Frank ein, „die Maschine zur Gedankenmanipulation wurde erst vor fünf Jahren entwickelt.“
„Das stimmt“, bestätigte der Sammler. „Allerding können wir Sammler die Gedanken der Menschen auch ohne diese Maschine manipulieren. Die Maschine hatte ich entwickelt um das Denken der Menschen zusammen mit der Verjüngungstherapie nach meinen Wüschen zu verändern. Die Kirche entwickelte sich schnell und gut. Mit Produkten, die mit dem Stand der Technik der Menschen noch gar nicht möglich waren vermehrte ich das Vermögen der Kirche und gewann so an Einfluss. Diesen Einfluss nutzte ich damit sich die Menschen so verhielten, wie ich es wollte. Sie sollten lange leben, viele Kinder bekommen und aufhören ihr Leben mit diesen Filmen und Talkshows zu füllen. Sie sollten wirklich erlebte Erinnerungen haben, die wir Sammler ernten können, wenn sie in das schwarze Loch fallen. Aber irgendwann stieß ich an meine Grenzen. Mit Religion lassen sich die Menschen nicht so weit manipulieren, wie ich gedacht hatte.“
„Also wollten sie unsere Gehirne manipulieren, damit wir das tun, was sie wollen?“ Warf Ole empört ein.
„Ja, so war es. Und es tut mir leid. Aber das Schlimmste waren meine Versuche an menschlichen Embryonen. Ich habe so viele Leben dabei vernichtet.“ Er vergrub sein Gesicht in den Händen.
„Ich habe sie alle vernichtet.“ Versprach sein Gefährte.
Cordula erinnerte sich warum sie eigentlich hier war. „Wo ist Armin. Mein Vater Armin Fellert.“
„Der Name sagt mir nichts.“ Entgegnete das Kirchenoberhaupt ehrlich betrübt.
„Und was war mit dem Mord an dem Professor Schweiger, hier in der Forschungseinrichtung?“
Der Sammler wechselte einen besorgten Blick mit seinem Gefährten. Als dieser nickte begann er zu erzählen. „Heute schäme ich mich dafür, aber damals machte es mir nichts aus.“ Er machte eine Pause und schluchzte. „Ich hatte bemerkt, dass die Freundin des Professors, eine gewisse Larissa Lorik, schwanger war. Ich wollte den Embryo für meine Experimente. Gleichzeitig sah ich es als einen guten Test für die Maschine an, mit ihr die Gedanken seiner Freundin so zu manipulieren, dass sie ihre eigene Liebe tötet und sich dann selbst umbringt, nachdem ich ihren Embryo entnommen hatte. Es klappte auch alles, wie geplant. An gesunde Embryos zu kommen war immer nicht leicht und nebenbei gesagt, war das Experiment mit diesem Embryo eines der erfolgreichsten.“ Er verzog sein Gesicht, weil er sich schämte, dass Stolz in seiner Stimmt mitschwang. „Das Experiment hat jahrelang überlebt, bis zur Zerstörung der Hamburger Forschungseinrichtung.“
„Was werdet ihr jetzt machen?“ Fragte Cordula angewiedert.
„Wir fahren nach Hause.“

24. Dezember 2109: Epilog

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Sammler – 22. Dezember 2109

Am nächsten Morgen um sechs Uhr zog Lars den Kirchen-Mitarbeiter unter wüsten Beschimpfungen aus dem Sessel und stopfte ihn in eine Abstellkammer, die er anschließend verschloss.
Danach stieß er Ole mit dem Fuß an. „Wach auf, du Missgeburt. Wie kann man nur so lange schlafen?“
„Nun benimm dich mal nicht wie ein Arschloch und hör auf mich zu treten!“ Beschwerte sich Ole.
„Was? Bist du schwul?“ Empörte sich Lars. „Ich hab dich nicht getreten, ich hab dich angestoßen.“
„Ja, mit dem Fuß angestoßen. Das ist treten.“ Erklärte Ole.
„Nein. Hallo. Was redest du für einen Müll?“ Lars schaute verachtend zu seinem Bruder herunter, der noch immer nicht aufgestanden war und machte Anstalten ihn erneut mit dem Fuß ‚anzustoßen‘.
Ole hielt den Fuß auf, der auf ihn zu schoss. „Nun benimm dich mal nicht wie mit vierzehn. Hast du in den letzten hundert Jahren nicht dazugelernt, wie man sich benimmt?“ Er setzte sich auf die Bettkannte und stützte seinen Kopf auf die Hände und wartete, dass er wach wurde.
„Ach verpiss dich doch, du Behinderter.“ Lars schnappte sich den Rucksack und ging aus der Wohnung. „Ich warte draußen.“
„Hm“, stöhnte Ole und zog sich an. Er war noch einen Blick zur Abstellkammer und folgte dann seinem Bruder.
Mit dem Bus fuhren sie zum Forschungszentrum.

Zur gleichen Zeit standen auch Cordula und Frank auf. Allerdings beschimpften sie sich nicht, sondern küssten sich. Eigentlich wollten sie schnell aufbrechen, doch sie nahmen sich trotzdem die Zeit ausgiebig ihre Zungen aneinander zu reiben.
„Das habe ich wirklich vermisst.“ Sagte Frank.
„Hmmm“, antwortete Cordula.
Während sie sich anzogen versuchte Frank Lukas zu erreichen. Es dauerte geschlagene fünf Minuten, bis der sich meldete.
„Was gibt’s?“, brachte er mit rauer Stimme hervor. „Warum weckst du mich mitten in der Nacht?“
„Es ist nicht mitten in der Nacht, es ist morgens.“ Verbesserte ihn Frank.
„Ja ja. Was willst du?“ Fragte Lukas nicht weniger mürrisch.
„Wir sind gestern wieder hier in die Sahara gefahren“, mischte sich Cordula ein. „Ole und Lars sind auf dem Weg ins Forschungszentrum.“
„Ich weiß.“ Sagte Lukas wenig verwundert.
„Du weißt?“, empörte sich Cordula. „Und was meinst du, wann du uns das erzählen wollest?“
„Was denn?“ reagierte Lukas gelassen. „Das ist doch nicht meine Sache.“
Ein kleiner Hoffnungsschimmer flammte in Lukas auf. „War’s das? Dann kann ich ja wieder schlafen gehen.“
„Nein. Warte!“ Hielt ihn Frank gerade noch auf, bevor Lukas auflegen konnte. „Weißt du wo sie sind? Kannst du mit ihnen Kontakt aufnehmen. Auf unsere Anrufe reagieren sie nicht.“
„Ja … warte mal.“
Nach kurzer Zeit meldete sich Lukas wieder. „Nein, die reagieren nicht.“
Lukas erzählte, dass er den Beiden den Grundriss des Gebäudes verschafft hatte. Ebenso war es seine Idee die Thermitfackel mitzunehmen. Er hatte häufig als Kind bei ‚Clever!‘ die Versuche mit diesem Material gesehen. Dort wurde jedes Mal ein wahres Inferno entfacht, wenn diese Thermit entzündet wurde. Wo sich Ole und Lars momentan aufhielten wusste er jedoch auch nicht.
Cordula und Frank ließen sich ebenfalls den Grundriss von Lukas geben und machten sich auf den Weg zum Forschungszentrum.

Eine Stunden später hockten Ole und Lars im Gebüsch vor dem Gelände der Sammler-Kirche.
Lars zog die Kapuze seines Sweatshirts über den Kopf und steckte seine roten Hände in die Tasche.
„Hättest dir doch noch eine Jacke überziehen sollen. Schließlich ist Winter.“ Neckte Ole seinen Bruder.
„Halt‘ die Fresse“, antwortete dieser knapp.
Eine Gruppe Mitarbeiter aus dem letzten Bus verschwand gerade in Gebäude. Weiter waren jetzt keine Menschen mehr in der Nähe. Außer dem Wachmann am Eingang, der warm in seinem kleinen Häuschen am Zaun saß.
„Jetzt kannst du.“ Gab Ole das Signal.
Lars stand auf und schlenderte zum Wachmann. Zwanzig Meter entfernt blieb er stehen, baute sich einen Schneeball und warf ihn gegen die Scheibe des Häuschens. Empört platzte der Wachmann aus der Tür, als Lars bei ihm ankam.
„Hey sag mal dicker, vielleicht kannst du mir da bei einer Sache helfen.“ Begann Lars ein Gespräch so freundlich, wie er konnte und trat dicht an den angesprochenen heran.
„Was willst du Junge? Was soll dieser Mist mit dem Schneeball?“ Der Wachmann schien nicht bereit für eine gepflegte Unterhaltung zu sein.
„Ich hab mich schon immer gefragt, warum ihr Leute immer solche schwulen Mützen tragt.“ Lars wies auf die Kopfbedeckung der Wächteruniform.
Der Wachmann wollte gerade zu einer empörten Antwort ansetzen, als Lars zu dessen Mütze griff und damit davon sprintete. Eine Schrecksekunde blieb der bestohlene wie angewurzelt stehen, dann setzte er dem Dieb hinterher. Lars war jedoch nicht einzuholen, auch wenn sein Laufstiel aussah, als hätte er eine vollgeschissene Windel an, so war er doch einfach zu schnell für seinen Verfolger. Darum schaute sich Cordulas Sprinter-Sohn mehrfach um und sah zu, dass er keinen allzu großen Vorsprung aufbaute, als er an der Hecke vorbei kam, hinter der sein Bruder wartete.
Als der Wachmann prustend an Ole vorbei kam, sprang dieser hinter seinem Sichtschutz hervor und stürzte sich von hinten auf ihn. Gemeinsam mit seinem Bruder fesselten sie ihn mit einem Band aus dem Rucksack und dem Klebeband klebten sie ihm den Mund zu. Sie zogen ihn hinter die Hecke.
Gerade als sie weggehen wollten holte Ole eine Wolldecke heraus, die er aus der Wohnung des Mitarbeiters mitgenommen hatte und wickelte sie um den Wachmann. „Hier, damit dir nicht kalt wird. Wir binden dich los, wenn wir wieder zurück kommen.“ Versprach er.
Eiligen Schrittes und in geduckter Haltung passierten sie das nun unbesetzte Haupttor und gingen zum Hintereingang des Hauptgebäudes.

Cordula und Frank verließen mit einer kleinen Gruppe Mitarbeiter aus dem Forschungszentrum den Bus. Sie überlegten gerade, wie sie vorgehen sollten und ob Cordulas Kinder vielleicht schon auf das Gelände gelangt sind, als sie einen kleinen Aufruhr am Wächterhäuschen bemerkten.
Die Mitarbeiter aus dem Bus standen dort in einer Traube beieinander und schauten sich verwirrt um. Als Cordula und Frank zu ihnen traten, bemerkten sie, dass kein Wärter dort war um die ankommenden Mitarbeiter zur registrieren und durch zu lassen. Cordula und Frank gingen unauffällig hinter ihnen vorbei und schlenderten auf das Gelände.
Als sie beim Hauptgebäude ankamen flog gerade die Tür auf und zwei Sicherheitsleute stürzten auf sie zu. Sie belegten Cordula und Frank mit einem skeptischen Blick, liefen aber an ihnen vorbei zum Geländetor. Durch die Glastür sahen sie, dass der Empfangstresen noch immer besetzt war.
Frank hielt Cordula am Arm fest. „Hier kommen wir nicht rein. Wir müssen uns einen anderen Weg suchen.“ Er überlegte einige Zeit und schaute die Nebengebäude an. „Dort drüben.“ Frank zeigte auf ein Flachdachgebäude mit großen Glasfenstern. „Das ist die Kantine, von dort aus gibt es einen Flur im Keller, der in das Hauptgebäude führt.
Sie hielten unauffällig die Tür zur Kantine auf, als sich gerade ein Mitarbeiter authentifiziert hatte und die Verrieglung öffnete, bevor sich diese wieder ganz schließen konnte.
In der Kantine war nicht viel los. Nur wenige Menschen saßen an den Tischen und nahmen ein frühes Frühstück zu sich.
Frank schaute sich die Leute an, wie sie über ihren Tabletts saßen und fand, wonach er suchte. Ein fülliger Mitarbeiter hatte seine Zugangskarte unachtsam neben sein Tablett gelegt. Frank öffnete einen weiteren Knopf an der Vorderseite von Cordulas Oberteil, wodurch ein noch tieferer Blick in ihr Dekolleté möglich war, wenn sie sich nach vorne beugte. An der Ausgabe holte er eine Tasse Kaffee für Cordula und ein Glas Orangesaft für sich und instruierte sie.
Wie abgesprochen näherte sich Cordula mit ihrem unnachahmlich freundlichen Lächeln von vorne diesem Mitarbeiter. Sie beugte sich weit vor, als sie ihren Kaffee auf den Tisch stellte und fragte: „Darf ich mich zu Ihnen setzen?“
In der Zwischenzeit hatte sich Frank von der Seite genähert. Er schrie gespielt entsetzt auf, als er so tat, als würde er stolpern.
Der Mitarbeiter riss seinen Kopf zur Seite, weg von dem weit verführerischen Anblick vor ihm und sah mit entsetzten Augen, wie ihm der Inhalt eines Glases Orangensaft entgegen kam.
Sich überschäumend entschuldigend wischte Frank mit einer Serviette auf dem Tisch herum, vordergründig um sein Missgeschick zu beseitigen, wahrhaftig aber um die Zugangskarte unauffällig an sich zu bringen.
Wild fluchend entfernte sich der besudelte Man in Richtung Toiletten. Als er vor der Tür des Männer WCs stehen blieb und seine Taschen nach seinem Ausweis durchsuchte, fiele ihm ein, wo er ihn hingelegt hatte. Er schaute zurück zu seinem orangigen Sitzplatz.
In diesem Moment hatten Cordula und Frank aber bereits die Kantine verlassen und standen im Treppenhaus zum Keller. Cordula schlang die Arme um Frank und küsste ihn leidenschaftlich.
„Wir müssen weiter“, drängelte Frank, als er zu Atem kam und knöpfte ihr das Oberteil wieder zu.

Ole und Lars waren derweil ohne Probleme durch den Hintereingang in das Gebäude gekommen. Sie gingen durch die Flure in das Treppenhaus Richtung Keller. Auf ihrem Weg sprühten sie die Linsen der Überwachungskameras mit schwarzem Lack ein um nicht gesehen zu werden.
Da der Raum mit dem Tresor, in dem die Aufzeichnungen des Oberhauptes der Sammler-Kirche war, auf ihrem Weg zu den Arrestzellen lag, gingen sie zuerst dort hin.
Sie klopften gegen die Glastür um die Aufmerksamkeit der beiden Wachen im Innern auf sich zu ziehen.
Wiederwillig schauten die sich um.
Ole zog ein schreiben vom Finanzamt aus seinem Rucksack und hielt es, scheinbar unabsichtlich so weit entfernt von der Tür den Wächtern entgegen, dass diese den Inhalt nicht lesen konnten.
Die Wachen schauten sich fragend an und zuckten mit den Schultern. Öffneten aber dann doch um nachzufragen, was los sei.
Lars startet seine bekannte Attacke gegen die Tür, was den ersten Wachmann rückwärts von den Beinen schleuderte. Die zweite Wache wollte gerade nach seinem Elektroschocker am Gürtel greifen, als Ole einen Ausfallschritt nach vorne machte und ihm den Ellenbogen in den Bauch hieb.
Die erste Wache schüttelte seine Benommenheit ab und richtete sich gerade auf die Ellenbogen auf, als er mit weit aufgerissenen Augen Lars auf sich zuspringen sah. Dieser landete mit seinen Knien auf der Brust der wehrlosen Wache, was dieser die Luft aus den Lungen trieb. Mit einem Ringer-Griff drehte er den ersten Wachmann auf den Bauch und verdrehte ihm die Arme auf dem Rücken.
Ole befand sich derweil in einem Händeringen um den Elektroschocker. Sobald einer nach dem Gerät am Gürtel greifen wollte schlugt der Andere die Hand weg oder verdrehte des Anderen Handgelenks.
„Los Ole, mach die Missgeburt fertig!“ Erklang der Aufmunternde Zuruf seines Bruders.
Das veranlasste den zweiten Wachmann kurz einen Seitenblick zu seinem am Boden liegenden Kollegen zu riskieren. Das war jedoch ein Fehler, da er für den Bruchteil einer Sekunden unaufmerksam war und es Ole gelang seinen kleinen Finger zu greifen und nach hinten zu brechen. Der Wächter schrie auf, als Ole den Griff des Schockers umfasste. Ole nahm sich jedoch nicht die Zeit das Gerät aus dem Gürtel zu ziehen, sonder drückte gleich ab. Fünfhundertausend Volt jagten in die Hüften des Wachmanns und legten ihn augenblicklich schlafen. Da Ole noch immer den Griff des Elektroschockers in der Hand hielt rutschte das Gerät aus dem Gürtel, als der Wächter unter ihm zusammensackte.
Einen Wimpernschlag schaute Ole auf die Waffe in seiner Hand, dann warf er sie seinem Bruder zu.
Dieser wendete das Gerät ohne zu zögern auf sein unter ihm liegendes Opfer an.
Zwei ausgeschaltete Wachleute lagen vor ihnen auf dem Boden, als Ole bemerkte: „Na, das war ja einfacher, als gedacht.“ Er grinste seinen Bruder an.

Cordula und Frank gingen unterdessen unbehelligt durch die Kellergänge Richtung Hauptgebäude. Vor dem Eingang blieb Cordula stehen. „Wohin sollen wir überhaupt gehen?“
„Na, ich würde sagen zu den Arrestzellen. Wenn Ole und Lars hier sind oder hierher kommen, dann werden sie sicherlich zuerst dort nach Armin suchen.“ Antwortete Frank.
In diesem Augenblick begann die Alarmsirene zu heulen.

Als Lars gerade die Thermitfackel aus dem Rucksack holte, begannen die Alarmsirene zu heulen.
„Mist“, stieß Ole aus, als er sich die Arbeitshandschuhe überzog.
Sein Bruder drückte ihm die Fackel in die Hand und hielt ihm danach das angezündete Feuerzeug entgegen.
Ole schaute seinem Bruder kurz in die Augen und strich mit der Fackel über die Flamme.
Die Thermitfackel entzündete sich augenblicklich und eine Stichflamme schoss unter ohrenbetäubendem Rauschen aus der Spitze. Ole riss sich zusammen, beeindruckt von den entzündeten Kräften, und richtete die Fackel auf das obere Scharnier der Tresortür. Funken schlugen gegen das Metall, das sich unter der Fackel verflüssigte. Rauch stieg auf und der kleine Raum begann sich zu verdunkeln. Es würde schnell unerträglich warm.
Doch die Fackel hielt nicht lange durch, noch bevor das erste Scharnier durchtrennt war erlosch die Flamme und es blieb eine kirschrot glühende Metallstange in Oles Hand zurück. Verärgert schmiss er sie von sich. „So ein Mist.“ Er trat gegen den Rucksack. „Und wir haben nur eines von diesen verdammten Dingern mitgenommen.“
Lars packte seinen Bruder am Arm. „Scheiß drauf. Auf zu den Arrestzellen!“
Gemeinsam liefen sie aus dem Tresorraum heraus, bogen rechts um die Ecke und kamen am Serverraum vorbei während ununterbrochen die Alarmsirene durch die Flure hallte. Sie bogen erneut rechts ab Richtung Arrestzellen.
An der Tür am Ende des Ganges benutzte Lars die Zugangskarte. Das Gerät leuchtete rot und weigerte sich mit einem hellen Ton sie passieren zu lassen. Lars versuchte es erneut und zog die Karte durch den Schlitz. Mit dem gleichen Ergebnis. „Verfickte Scheißtür!“
„Gib mal her.“ Ole nahm seinem Bruder die Zugangskarte aus den Händen. Doch auch seine Versuche blockierte das Gerät.
Ole wollte gerade wütend die Zugangskarte auf dem Boden werfen, als sich hinter ihnen eine Tür öffnete. Ein Forscher in weißem Kittel schaute aus der Tür und Fragte: „Was soll denn dieser Alarm?“
Zwanzig Sekunden später hatte Ole eine andere Zugangskarte in der Hand und der Wissenschaftler saß bewusstlos im Flur. Diese ließ sie passieren.
Sie gingen durch die Tür und sahen in den Flur vor sich. Am Ende lag die rote Tür zu den Arrestzellen. Die Brüder schauten sich in die Augen und rannten los.

Währenddessen waren auch Cordula und Frank im Hauptgebäude. Sie rannten einen Flur entlang.
„Dort vorne rechts sind die Arrestzellen.“ Rief Frank und schaute sich zu Cordula um, die hinter ihm lief.
Als er wieder nach vorne schaute sah er aus dem Augenwinkel einen Schatten, der aus dem Gang gegenüber der Tür zu den Arrestzellen auf ihm zu kam. Es ging jedoch alles viel zu schnell, als dass Frank noch hätte reagieren können. Also Stießen sie zusammen, purzelten übereinander und verknoteten sich Arme und Beine.
Vier Menschen lagen keuchend auf dem Boden.
„Was macht ihr denn hier?“ Fragte Ole erstaunt, als er wieder zu Sinnen kam und bemerkte, mit wem sie zusammengestoßen war.
„Euch vor einer Dummheit bewahren.“ Sagten Frank und Cordula, wie aus einem Mund.
Cordula schaute Frank an. „Zweitausendundzehn plus vier.“ Sagte sie lächelnd.
In diesem Moment sprang die rote Tür auf und ein Schwall von unzähligen Sicherheitsleuten ergoss sich über die Eindringlinge. Sie umringten die verknoteten Einbrecher und richteten ihre automatischen Waffen auf sie.
„Sie sind festgenommen!“

23. Dezember 2109

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